Uns reichts immer noch – ein Jahr vorbei

So langsam nähert sich der Jahrestag der Eröffnung dieses Blogs und damit auch die Vollendung eines AZ-freien Jahres unsererseits. Und falls sich Leute fragen wie das so ist, so ohne AZ: Es ist wunderbar! Gerade die Montagabende sind ein Hort der Entspannung. Und auch an anderen Wochentagen: Unmengen Zeit um gute Texte zu lesen, zu schreiben, spannende Diskussionen zu führen, um Sport zu machen, Chillen in angenehmer Gesellschaft,…

Daher haben wir zwar schon ein/zweimal über einen Resümee-Text nachgedacht, aber nie geschrieben, denn es gibt so unendlich viele Themen, die interessanter sind als das AZ. Und die Welt ist ja auch außerhalb des AZs voll mit Leuten über die man sich aufregen kann – nicht mal dazu braucht man dieses Etablissement. Aber nun wird es doch langsam Zeit sich noch einmal zu Wort zu melden.
Zunächst möchten wir denen danken, die sich explizit solidarisch erklärt haben, namentlich die MackerMassaker-Gruppe Mülheim; das Autonome FrauenLesbenReferat der Uni Köln, die Emanzipatorische Antifa Münster und Hannas Antifa und diverse Einzelpersonen von auswärts und vor allem all jenen Wuppertaler*innen, die zunächst selber vom Erscheinen des Es-reicht-Textes überrascht wurden und sich trotzdem zu einem konsequenten „Ausstieg“ aus den AZ-Strukturen entschlossen haben.

Ein positives Highlight des vergangen Jahres waren sicherlich die Antisexismus Tage Wuppertal im August, die mit viel Unterstützung aus Berlin zustande gekommen sind. Diese wurden extra an einem „neutralen“ Ort organsiert und nicht von den Betreiber*innen dieses Blogs, um AZettis, NichtAZettis und Ex-AZettis gleichermaßen eine Teilnahme an den Vorträgen und Workshops u.a. zum Thema Awareness zu ermöglichen. Fast erwartungsgemäß war jedoch die Teilnahme von Menschen, die zu diesem Zeitpunkt noch Teil der AZ-Strukturen waren verschwindend gering. Zur Erinnerung ein kurzes Zitat aus der der Stellungnahme des AZ:

Es nützt nichts zum Thema Sexismus nur Verbotschilder aufzustellen und hochzuhalten, oder sich in elitären Zirkeln neue Regeln für die „Unwissenden“ auszudenken. Eine reine Weitergabe von theoretischem Wissen über Sexismus und patriarchale Strukturen und das ausschließliche Aufstellen von Verhaltensregeln entleert eine inhaltliche Diskussion bzw. lässt diese erst gar nicht stattfinden. Das Vermitteln, von für uns elementarem antisexistischem Bewusstsein, entsteht und erfolgt in der immer wiederkehrenden Auseinandersetzung untereinander und mit sich selbst, unter Einbezug der jeweils subjektiven Herkunft und des Diskussions- und Wissensstands.

Tja, schreiben kann man viel; aber wenn Regeln nicht in elitären Zirkeln aufgestellt werden; extra eine Plattform zum offenen Austausch organisiert wird; die Möglichkeit zum Austausch über Positionen und Erfahrungen geschaffen wird, dann diese Möglichkeit zu nutzen wäre vermutlich zu viel verlangt von Leuten, die behaupten einen antisexistischen Anspruch zu haben.
Dieses für sich sprechende Fernbleiben und die einzige Stellungnahme des AZs zur Problematik, die eine reine Anhäufung von eher schlecht versteckter Schuldabwehr ist, sind aussagekräftig genug. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Sexismus, Grenzüberschreitung, Rassismus, Antisemitismus und weiteren Ressentiments und Diskriminierungsstrukturen war und ist von den im AZ organisierten Leuten und den AZ-Strukturen nicht zu erwarten und wird wohl auch leider in Zukunft kaum stattfinden. Zu unserem großen Vergnügen (s.o.) sind wir ja AZ-los, nachdem was wir im Laufe des Jahres jedoch durch andere mitbekommen haben, gibt es seit dem ersten Text vom Mai 2012 keinerlei grundlegende Veränderung. Bereits direkt nach Erscheinen des Textes gab es zwar ein Lippenbekenntnis des Hausplenums zur Definitionsmacht, aber nur um direkt bei der nächsten Veranstaltung wie gewohnt Betroffene nicht ernst zu nehmen. Es kann sein, dass es ein oder zwei Plenen und Treffen zum Thema Umgang mit Sexismus gegeben hat, nur wäre dies keine große Neuerung, denn eine Beschäftigung mit diese Themen war durch die Anwesenheit der verhassten Feminist*innen auch in den Jahren zuvor immer unumgänglich – unumgänglich zumindest für die Institution „Plenum“ – für Individuen war sie umgänglich und wurde auch bewusst umgangen. Die Praxis und vor allem die Stimmung änderten sich durch die Thematisierung nicht. Daher dürfte einiges mehr notwendig sein, um eine reale Veränderung und einen halbwegs Ismen-sensiblen Umgang zu erreichen. Denn nicht nur hinsichtlich Sexismus bestehen mehr als ein paar Blindflecken; auch wenn wir uns hauptsächlich auf die Thematisierung selbigen beschränkt haben.
Wie ein solcher in der Praxis aussehen könnte und wie der Weg dahin aussehen kann müssen Leute überlegen, die den Raum AZ „retten“ wollen. Offensichtlich dürfte jedoch sein, dass zunächst ein Ernstnehmen der Zustände, der Probleme und der Kritik erfolgen müsste – und ernstnehmen meint etwas anderes als – sinngemäß – den Bundespräsidenten für eine hübsche Rede einzuladen, eine Eiche zu pflanzen und zu denken damit sei dem Kampf gegen Rassismus genüge getan. Völlig unglaubwürdig ist jegliche behauptete Änderung und zum Scheitern verurteilt jeder Versuch einer Änderung, solange explizite Gegner der Definitionsmacht zum internen AZ-Kreis gehören oder Leute, die sich über Betroffene lustig machen Aufgaben auf Veranstaltungen übernehmen können. Beides gilt selbstverständlich auch für Eigentümer von Büchern wie: „Lob des Sexismus – Frauen verstehen, verführen und behalten. Ein Praxisbuch für Aufgeschlossene“.

Solange alles ist wie es ist, bleibt es dabei: Der Sekt für die Abrissparty liegt gekühlt bereit.
Dies ist selbstverständlich keine Ablehnung von Freiräumen an und für sich. Räume, deren Nutzer*innen sich Gedanken über den Zweck und die Art der Nutzung machen, in denen Ressentiments nicht unwidersprochen Raum finden und Betroffene von Übergriffen und Diskriminierungen ernst genommen werden, in denen man ein ganz klein wenig Schutzraum vor den Unzumutbarkeiten der Gesellschaft hat und aus diesem heraus in selbige mit reflektierten Inhalten intervenieren kann sind super und ein weiterer Sekt liegt für jede Eröffnung und/oder Durchsetzung eines solchen bereit.


4 Antworten auf „Uns reichts immer noch – ein Jahr vorbei“


  1. 1 kyrosh 14. April 2013 um 3:48 Uhr

    hey danke.. selbige probleme überall.. nur das ihr echt power habt euch dagegen zu wehren.. ich kenne leider zu wenig leute die difma verstanden haben in meine city um aus der weisen-mänlichen-bürgerlichen linke szene raus zu gehen.

  2. 2 Administrator 14. April 2013 um 12:55 Uhr

    Hey, ja coole Leute zu finden, ist ein Problem – obwohl es ausreichend davor jenseits der Szene gibt. Viele Leute, die echt nett und reflektiert sind, sind ja gerade deswegen nicht in irgendwelchen AZs unterwegs. Aber diese zu finden ist halt oft von Zufällen abhängig. Ein Konzept ohne die Mechanismen des Szenekollektivs trotzdem Verknüpfungsorte zu schaffen, haben wir auch noch nicht gefunden. Wir wünschen Dir aber viel Erfolg und Kraft dabei solche Leute zu „sammeln“, um nicht mehr von der linken Mainstream-Szene sozial abhängig zu sein.

  3. 3 charlie 17. April 2013 um 5:05 Uhr

    Lachhaft. Niemand vermisst euch. Das Klima im AZ hat sich im letzten Jahr deutlich gebessert,auch wenn -subjektiv gesehen, noch viele dinge anders laufen könnten oder besser sollten. Diese beziehen sich allerdings nicht auf euer pamphlet.

    Aus dem Text lese ich raus, wie bemüht ihr seid zu vermitteln, wie viel besser es euch geht, nach eurem ´Ausstieg´. Ich frage mich ernsthaft wieso ihr solange teil des Autonomen Zentrums wart?
    Der Text liest sich wie der Bericht eines Ex-junkies nach seiner rehabilitation.

    Die Antisexismus-tage waren wie ich hörte eine einzige Katastrophe.´Betroffene´ unter sich. Klang mehr nach einer Selbsthilfegruppe…
    Die Antisexismus – Elite´ auf Klassenfahrt?

    Ich wünsche euch viel Glück auf dem weg in euer Utupia. ihr übermenschen

  4. 4 Administrator 19. April 2013 um 22:34 Uhr

    Lachhaft. Niemand vermisst euch.

    Ach echt? Das ist ja überraschend. Selbstverständlich vermisst niemand Leute, die Diskussionen und Veränderungen eingefordert haben. Aber sehr schön, dass du das nochmal klar gestellt hast.

    Auch herzlichen Dank für Deine Offenheit was Deine Ansicht hinsichlich der Relevanz von Äußerungen von Betroffenen an geht – bzw die bloße Existenz von Betroffenen und deinen offenherzigen Nazi-Chargon.

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